2010-08-09

Das Arbeitszeugnis - richtig interpretieren!

Nach jeder Tätigkeit, sei es ein Aushilfsjob, Festanstellung, Praktikum, Ausbildung (...) hat man das recht auf  ein Arbeitszeugnis. Dieses soll dem nächsten Arbeitgeber ein Bild vermitteln, wie der Bewerber sich in seiner Zeit als Mitglied des Teams so gemacht hat. 

Deutschland und die Schweiz sind die einzigen Länder in Europa, in denen es einen gesetzlichen Anspruch auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis gibt. Nach der Rechtsprechung muss das Zeugnis wohlwollend formuliert sein, um dem Arbeitnehmer das „berufliche Fortkommen nicht zu erschweren“.

Doch ist ein Widerspruch vorprogrammiert, wenn ein Arbeitsverhältnis mit einer Kündigung endete, oder ein Mitarbeiter schlecht gearbeitet hat, der Arbeitgeber aber ein positiv klingendes Zeugnis erstellen muss. Daher haben sich Personalchefs einige Formulierungen überlegt, die sich zwar beim ersten Lesen positiv anhören, aber genau das Gegenteil sein können. Damit IHR eure Arbeitszeugnisse versteht und richtig interpretiert, haben wir ein paar allgemeine Formulierungen und ihre Bedeutung für euch rausgesucht:


Formulierungen zur Gesamtbeurteilung
stets zu unserer vollsten Zufriedenheit = sehr gute Leistungen
stets zu unserer vollen Zufriedenheit = gute Leistungen
zu unserer vollen Zufriedenheit = befriedigende Leistungen
zu unserer Zufriedenheit = ausreichende Leistungen
im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit = mangelhafte Leistungen
hat sich bemüht = ungenügende Leistungen


Formulierungen zur Leistung
war für die Position die ideale Besetzung = Sehr gute Eignung
hatte ausgezeichnete Ideen und setzte sie um = Sehr gute Leistungsbereitschaft und Initiative
Umsicht, Wissen und Engagement = Befriedigende Leistungsbereitschaft
hatte Verständnis für seine Arbeit = Ungenügende Leistungsbereitschaft
hatte Gelegenheit, sich Wissen anzueignen = Hat die Gelegenheit nicht genutzt
hielt jedem Termindruck stand = Gute Ausdauer und Belastbarkeit


Formulierungen zum Erfolg
Erzielte selbständig optimale Lösungen = Sehr gute Arbeitsweise mit sehr gutem Erfolg
Bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden = Die Bemühungen führten nicht zum Erfolg
War bei allen Problemen kompromissbereit = War besonders nachgiebig 


Formulierungen zum Sozialverhalten
tadellos bei Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern = Gutes Sozialverhalten
Vorgesetzte und Kollegen schätzten die Kooperation = Probleme mit Kollegen
Das Verhalten im Kollegenkreis war tadellos = Probleme mit Vorgesetzten
Für die Belegschaft großes Einfühlungsvermögen = Liebschaften / Kumpanei
Aufgaben mit vollem Erfolg delegiert = War faul und ließ andere darunter leiden
Durch seine Bildung ein gesuchter Gesprächspartner = War geschwätzig, führte lange Privatgespräch
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Formulierungen zum Grund des Ausscheidens
Auf eigenen Wunsch = Kündigung durch den/die Arbeitnehmer/in
Im beiderseitigen Einvernehmen = Aufhebungsvertrag wegen Unstimmigkeiten
Endet umgehend mit dem heutigen Tage = Außerordentliche, fristlose Kündigung


Formulierungen für den Schlusssatz
Wünschen für die Zukunft weiterhin viel Erfolg = War für das Unternehmen sehr wertvoll
Wünschen für die Zukunft alles Gute = Neutrale Formulierung
Wünschen für die Zukunft vor allem Gesundheit = War dauernd krank
Wir wünschen für die Zukunft viel Glück = Es gab Probleme bei der Zusammenarbeit


Ihr seht also, dass hinter vielen Formulierungen weniger gute Aussagen stecken. Wenn euch noch mehr Formulierungen einfallen, schreibt sie doch einfach hier als Kommentar unter den Artikel! 







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